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Das 17. Jahrhundert brachte mit seinen zahlreichen Kriegen viel Elend und Not. Feindliche Truppen besetzten im Dreißigjährigen Krieg wiederholt die Stadt und richteten erheblichen Schaden an. Noch ehe die Menschenverluste durch Einwanderer vor allem aus der Schweiz ausgeglichen und der Wiederaufbau beendet war, brach 1688 der pfälzische Erbfolgekrieg aus. der dem Kraichgau noch größeres Unheil brachte. Im Gegensatz zu den  meisten Dörfern und Städten der weiteren Umgebung entging Eppingen aus strategischen Gründen zwar der Zerstörung, hatte aber nicht minder unter der wechselnden Besetzung durch die französischen Truppen unter Melac oder durch die Reichstruppen zu leiden. Ab 1693 lag das Hauptquartier der Reichstruppen unter dem Befehl des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, dem ,,Türkenluis", zwischen Eppingen und Stebbach. Um das Hinterland vor weiteren Zerstörungen zu schützen, ließ der Markgraf  1695-1697 die ,,Eppinger Linien" errichten, eine Verteidigungslinie, die sich von Pforzheim über Eppingen bis nach Neckargemünd erstreckte und deren Überreste noch heute im Hardtwald zu sehen sind.

Im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses kam Eppingen 1803 zu Baden, das hier 1807 ein Stabsamt und 1813 ein Bezirksamt errichtete. Diese neue Verwaltungsfunktion gab der Stadt im 19.  Jahrhundert kräftige Impulse. Das Bezirksamt zog weitere zentralörtliche Einrichtungen nach sich, wie z.B. das Amtsgericht, Notariat, Amtsgefängnis, Eichamt, die Bezirksgewerbeschule oder die Landwirtschaftsschule (die zweitälteste in Baden!).

Außerhalb der Stadtmauern, die ihre ursprüngliche Funktion längst  verloren hatten und daher abgerissen wurden, entfaltete sich eine rege Bautätigkeit (Modellhäuser, Rathaus, Behördenviertel im Roth). Obwohl die Stadt 1879 in Richtung Karlsruhe, 1880 in Richtung Heilbronn und 1899 in Richtung Heidelberg Anschluss an das Eisenbahnnetz fand, bewahrte sie ihren Charakter als Landstädtchen.

Die Industrialisierung setzte nur zögernd ein. Die  wenigen Fabriken verarbeiteten landwirtschaftliche Produkte oder waren von ihr abhängig. Der allgemeine wirtschaftliche Niedergang nach dem Ersten Weltkrieg und die Auflösung des Bezirksamtes hemmten die weitere Entwicklung in der Zwischenkriegszeit.

Die Kreis- und die Kommunalreform 1972 markieren einen tiefen Einschnitt in die Entwicklung der Stadt nach 1945. Im Zuge der  Kreisreform wurde Eppingen mit anderen Gemeinden im Süden des aufgelösten Landkreises Sinsheim dem Landkreis Heilbronn und dem Regierungspräsidium Stuttgart zugeordnet. Im Rahmen der Kommunalreform wurden die früher selbständigen Gemeinden Adelshofen, Elsenz, Kleingartach, Mühlbach, Richen und Rohrbach eingemeindet. Zwar verlor Eppingen durch die Kreisreform mit dem Amtsgericht und der Kreislandwirtschaftsschule weitere überörtliche Einrichtungen, konnte jedoch durch die  Verwaltungsgemeinschaft mit Gemmingen und Ittlingen wenigstens die Zuständigkeiten einer Großen Kreisstadt erhalten. Zusammen mit den Teilgemeinden zählt Eppingen 1993 heute ca. 18.500 Einwohner.

Die Eppinger Altstadt ist eine Attraktion für Touristen. Mit rund 100 freigelegten Fachwerkhäusern aus verschiedenen Epochen besitzt Eppingen in seiner Altstadt einen Reichtum an  diesem Haustyp, wie wir ihn sonst nirgends zwischen Rhein und Neckar, Schwarzwald und Odenwald finden, weswegen man es schon als ,,das badische Rothenburg" bezeichnet. Fachwerkensemble in den Straßen der Altstadt lassen den Besucher mittelalterliche Reichsstadtromantik erahnen und die Entwicklung im Fachwerkbau nachvollziehen.

 

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