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Der Fachwerkpfad

Die Fachwerkstadt Eppingen ist weithin bekannt für die zahllosen Beispiele mittelalterlicher Fachwerkbaukunst.
Im „Altstadtrund“ und der „Brettener Vorstadt“ stehen die Fachwerkhäuser teilweise dicht aneinandergereiht.
Die in Eppingen erbauten Häuser sind zum Großteil von alemannischer und fränkischer Bauart, vereinzelt finden
sich jedoch auch noch andere Stilrichtungen
.

Um die Besucher und die Bürger Eppingens über die Besonderheiten zu informieren und Grundwissen zu
Elementen und Techniken im Fachwerkbau zu vermitteln wurde der „Fachwerkpfad“ angelegt. Auf neun Stationen
sind Konstruktionsformen, Verbindungstechniken, Schmuck- und Zierelemente dargestellt. Die einzelnen Formen
sind entsprechend beschrieben und im Original jeweils vor Ort in der Eppinger Altstadt zu besichtigen. Die einzelnen
Nachbildungen wirken aus der Fassade herausgelöst und sind in Originalgröße dargestellt. Sie sollen beim Betrachter
das Bewusstsein für das Fachwerk fördern und ihm die Möglichkeit geben, sich ein Grundwissen anzueignen
.

Der Verein für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing e.V., die Heimatfreunde Eppingen e.V. und die Stadt Eppingen
haben die Verwirklichung dieser Anlage gemeinschaftlich vorangetrieben
.

Unser Dank geht insbesondere an diejenigen, die ehrenamtlich zur Verwirklichung dieses Projektes beigetragen haben
und den Spendern der einzelnen Exponate
.

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Fächerrosette

Die Fächerrosette wurde als Fachwerkschmuckmotiv im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts kreiert und hat dann über 100 Jahre die Schmuckformen niederdeutschen Fachwerks bestimmt.

Fächerrosetten dokumentieren eindrucksvoll den Übergang des Formenreichtums der Steinarchitektur in die Holzbaukunst.

Nur selten und in besonders reich ausgestalteten Bürgerhausfassaden der Renaissancezeit erscheinen sie im Süden Deutschlands und können in Eppingen vor Ort als Giebelkrönung des Baumann‘schen Hauses von 1582/83 in der Kirchgasse 31 bestaunt werden.

geschweiftes Andreaskreuz

Zu den herausragenden Zierformen im fränkischen Fachwerk zählen ebenso die geschweiften Andreaskreuze mit ausgeputzten „Augen“ und Nasen, oft als Feuerböcke bezeichnet. Sie geben vor allem in den Brüstungen der Giebeldreiecke zusammen mit anderen Holzbauelementen den Häusern ein besonderes künstlerisches Gepräge.

vor Ort: Brettener Str. 10 (Haus Tüx, 16. Jahrhundert)

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„Christbaum“

Bei der Restaurierung des ältesten Eppinger Fachwerkhauses aus dem Jahre 1412 stießen die Zimmerleute im Speicher des Gebäudes auf dieses außergewöhnliche Konstrukionselement alemannischen Fachwerks.

Neben seinem Alter faszinieren nicht nur die statischen Lösungsmuster, sondern gleichermaßen der ästhetische Eindruck, den dieses Kunstwerk frühen Holzbaus, bei dem Blattung „vom Feinsten“ praktiziert wurde, ausstrahlt.

Vor Ort: Altstadtstr. 36 (Bäckerhaus, 1412)

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Andreaskreuze

Geschosshohe, steil gestellte Andreaskreuze sind markant Verstrebungen zwischen Schwelle und Rähmholz eines Geschosses. Sie repräsentieren ein typisches Konstruktionsmittel des alemannischen Fachwerks. Angelehnt an den Bundpfosten sichern sie die Wände gegen Verschiebungen.

Bei unserem Hausbeispiel verdrängt immer mehr die handwerklich leichter auszuführende Verzapfung die bisher übliche Verblattung bis auf wenige Teile.

Vor Ort: Kettengasse 9 (Haus Rink, 1488)

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Alemannisches Weible

Zu den Verstrebungsformen des Fachwerks in Süddeutschland gehören „Männle, Weible und Kindle“.

Bei diesen Fachwerkelementen werden bevorzugt im Obergeschoss die Bundständer durch Kopfbänder und Fußstreben gesichert. Diese Hölzer sind bei unserem Exponat in die Schwelle eingezapft, mit dem Bundpfosten und dem Unterzug jedoch verblattet und mit Holznägeln gesichert.

Dieses so entstandene Weible stellt ein besonders eindrucksvolles Stilmittel alemannischer Fachwerkbaukunst dar.

Vor Ort: Kirchgasse 22 (Schwebegiebelhaus, um 1450)

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Alemannische Säule

Eines der bedeutendsten Fachwerkhäuser im Kraichgau – das 1495 von Hans von Gemmingen errichtete Fleischhaus – birgt im Erdgeschoss eine außergewöhnliche 3-schiffige Eingangshalle.

Gestützt auf sechs mächtigen Eichensäulen mit langen z.T. eingeblatteten Kopfstreben, tragen eindrucksvoll doppelt längsläufige Unterzüge die sichtbare Holzdecke.

Dieses herausragende Beispiel alemannischer Fachwerkbaukunst mit besonderen statischen Finessen kann.

Vor Ort: Fleischgasse 2 (Alte Universität) besichtigt werden.

Fränkischer Mann

Die Fachwerkfigur „Fränkischer Mann“ wurde 1554 erstmals verzimmert.

Als es im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts kunstfertigen Zimmerleuten gelang, in dem ganzen Formenreichtum der Steinarchitektur der Renaissance in den Holzbau zu übertragen, beauftragte der kunstsinnige und sicherlich auch sehr wohlhabende Eppinger Metzgermeister Hans Ziegler im Jahre 1582 tüchtige Handwerker mit dem Bau seines Hauses.

Aus dem kunstvollen Zusammenspiel der Hölzer im „Schaugiebel“ der Ostseite ragt besonders das Stilelement des „Fränkischen Mannes“ heraus. Lange, zum Teil leicht geschwungene Fußstreben, markante lange Knaggen sowie schwungvoll gestaltete Kopfwinkelhölzer mit ausgeputzten Augen sichern Bund- und Eckständer, wobei diese teilweise von prächtigem Schnitzwerk überzogen sind.

Vor Ort: zu bewundern an einem der schönsten Bürgerhäuser der Renaisssancezeit im Kraichgau, dem Baumann’schen Haus von 1582/83 in der Kirchgasse 31

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Raute

Eines der prägenden Stilmittel des barocken Fachwerks im 17. Jahrhundert waren Rauten. Als mächtige negative Rauten füllen sie mit massiven breiten Winkelhölzern die Brüstungen des Hausfassaden und betonen so eindrucksvoll die „aufsitzenden“ Fensterformen.Schon in der Renaissancezeit wurden in außerordentlich „reichen“ Häuserfassaden Rauten mit Andreaskreuzen zu besonders attraktiven Zierformen gekoppelt. (siehe Marktplatz 2)

Im oberen Teil unseres Stilbeispiels wird schematisch die Verblattung dargestellt. Neben dem Verzapfen die gebräuchlichste Verbindungsart im Fachwerkbau.

Vor Ort: findet man barocke Rauten in der Kettengasse 7, erbaut 1717

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Eckständer

Wo am Baumann’schen Haus die südliche Traufseite und der Ostgiebel zusammentreffen, erfährt der Formenreichtum des Renaissancefachwerks
einen besonderen Höhepunkt.

Filigranes Flecht- und Bandwerk, eingeschnitzte Kleinformen, wohlgeformte Kopfkonsolen und ein ausdrucksstarker Neidkopf der Schutz gegen Neider – überwuchern die Hölzer der Eckständer und wetteifern um das Auge des Betrachters.

Vor Ort: an der Kreuzung Kirchgasse und Altstadtstr. am „Baumann’schen Haus“

 

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